RUDERN BEI TIEFEN TEMPERATUREN

Unsichere bzw. unerfahrene Ruderer gehören im Winter nicht aufs Wasser!

Ganz besonders Einer-Ruderer:innen riskieren beim Wasserwintertraining ohne permanente Begleitung und ohne Rettungsweste ihr Leben.

Ein Kentern kann, auch mit besten Materialien, jederzeit durch Materialschaden an Dolle/Skull/Riemen sowohl bei Anfänger:innen als auch bei Weltklasseruderer:innen passieren. Im Wasser schwimmende Gegenstände oder einfach die fehlende ruderische Perfektion können in einem Sekundenbruchteil zum Sturz in das eiskalte Nass führen. Der Sturz in kaltes Wasser kann bereits reflektorisch zu einem „Kälteschock“ führen. Hierbei wird entweder die Luftröhre verschlossen (trockenes Ertrinken) oder es kommt nach kürzester Zeit zur Hyperventilation (schnelles, unkoordiniertes Atmen) mit Orientierungslosigkeit. Diese Reaktion dauert wenige Minuten und sie ist zu überstehen, wenn man darauf vorbereitet ist. Daneben sind Herzrhythmusstörungen nicht selten. Dies alles erklärt Todesfälle in relativer Ufernähe. Personen mit geringerer Muskelmasse (z. B. Kinder oder Ältere) sind anfällig gegenüber Kälteschäden.

Es gibt eine Faustregel bei Kenterungen, die besagt: 1 Minute Überleben pro Grad Wassertemperatur, also zum Beispiel: 3 Minuten bei 3 Grad.

Hinweise und Empfehlungen:

  • Beim Kentern gilt als Faustregel: Pro Grad Wassertemperatur bleibt man etwa 1 Minute aktionsfähig im Wasser, danach lassen die Kräfte rasch nach - beginnende Unterkühlung.
  • Im Winter vorzugsweise im Grossboot rudern. Ausfahrten in Kleinbooten (1er & 2er) sollen vermieden werden und wenn möglich nur in Begleitung erfolgen. Der Vorstand des WRC Donaubund übernimmt für eigenständig durchgeführte Fahrten bei diesen Bedingungen keinerlei Haftung.
  • Ruderausfahrten in Kleinbooten setzen Kenter-Erfahrungen bzw. Erfahrung im Wiedereinsteigen ins Boot voraus.
  • Im Kleinboot während der ganzen Ausfahrt eine Rettungsweste tragen, unabhängig von den gesetzlichen Vorschriften.
  • Vor der Ausfahrt diese Fahrt im Logbuch eintragen.
  • Vor der Ausfahrt Boot und Ruder überprüfen: z.B. festsitzender Ausleger, Dollenstifte, Dollenverschluss, Klemmringe.
  • Witterungsbedingungen genau überprüfen und im Zweifelsfall das Training aus Sicherheitsgründen auf den Ruderergometer verlegen! 
  • In Ufernähe bleiben. Wer sich dabei außerhalb der üblichen Fahrordnung befindet, ist für das Vermeiden von Kollisionen selbst verantwortlich.
  • Eisbildung: beim Stützl bzw. in Ufernähe bzw. bei windgeschützen Bereichen ist mit Eisbildung zu rechnen, auch wenn es beim Donaubund Floß noch nicht erkennbar ist.

Eintauchreflexe und Kälteschock

Mit dem Eintauchen in kaltes Wasser werden Nervenendigungen in der Haut gereizt und lösen unmittelbar eine reflexartige Reaktion aus. Alle betroffenen Personen beginnen sofort mit einem extrem tiefen Atemzug, der direkt zum Ertrinken führen kann. Häufig folgt ein vom Willen nicht unterdrückbares schnelles Atmen, durch das es zu Krämpfen kommen kann. Schon bei 15° Celsius Wassertemperatur ist die Fähigkeit zum Luftanhalten um 70% reduziert. Es kommt zu Panik und Willensverlust, schließlich zum Inhalieren der nächsten Welle und zum Ertrinken – manchmal trotz Rettungsweste. Hinzu tritt ein massiver Anstieg von Herz- frequenz und Blutdruck mit der Gefahr eines Herzstillstandes. Sinkt die Körpertemperatur, zum Beispiel nach einer Kenterung unter 25 ° C, liegt im Kammerflimmern mit dem sofortigen Herzversagen die größte Gefahr.

Wenn das kalte Wasser in die Ohren eindringt, wird zusätzlich das Gleichgewichtsgefühl beeinträchtigt. Die Folge kann ein fataler Verlust der Orientierung unter Wasser sein – man taucht tiefer statt nach oben.

Schwimmversagen

Der Kraftverlust der Muskulatur beträgt pro Grad Temperaturabfall im Muskel 3%: Das wären bei einem Abfall von 37° auf 20° C bereits über 50%! Zusätzlich wirkt sich die verlangsamte Geschwindigkeit und Intensität der Nervenleitung aus. Diese Mechanismen führen nach 3-30 Minuten in Wasser unter 15° C zum Verlust vor allem des Streckvermögens, aber auch der gesamten Koordination von Schwimmbewegungen, bis zum völligen Schwimmversagen und zum Ertrinken. Gegen die berechenbare Abkühlung der Arm- und Beinmuskeln und –nerven sind auch trainierte SportlerInnen nicht gefeit, auch verliert man die Fähigkeit zur Selbstrettung.

Das durch die Kälte „programmierte“ Schwimmversagen erklärt, warum sich z.B. in Großbritannien 55% der Ertrinkungsfälle innerhalb 3 m Entfernung von der Rettungsmöglichkeit (Boot, Ufer) ereigneten. Die Kälte vermindert nicht nur die Kraft der Arme und Beine, sondern auch die Feinarbeit der Handmuskeln und - nerven. Zum Kraftverlust addiert sich eine Reduzierung der Geschicklichkeit.

Der Tod in kaltem oder eisigem Wasser ereignete sich bei vielen Unfällen innerhalb weniger Minuten nach dem Eintauchen, oft obwohl die Opfer gesund und gute Schwimmer waren und häufig in knapper Entfernung zum rettenden Ufer oder Boot.

Die Botschaft dieser Fakten ist klar: Plötzliches und ungeschütztes Eintauchen in kaltes Wasser ist weit gefährlicher, als allgemein angenommen wird und daher rät auch der Vorstand des WRC Donaubund ausdrücklich davon ab in Kleinbooten insbesondere Einer auf's Wasser zu gehen, empfiehlt Großboote zu bilden und appeliert an die Eigenverantwortung.

Text: Andreas K.